Bilinguales Methodik-Konzept 2017 von SEK3 – Oberstufe für Gehörlose und Schwerhörige

Weitere SEK3 – Oberstufe für Gehörlose und Schwerhörige Kataloge | Bilinguales Methodik-Konzept 2017 | 21 Seiten | 2017-09-13

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Seite 6 von Bilinguales Methodik-Konzept 2017

dabei berücksichtigen wir die individuellen sprachentwicklungsbiographien unserer schüler/innen für welche die gebärdensprache den stellenwert einer erst oder zweitsprache haben kann bilingualität bedeutet nicht dass in beiden sprachen ein muttersprachniveau erreicht werden soll6 wir anerkennen die sprachwissenschaftlichen erkenntnisse welche besagen dass die modalität der sprache keinen einfluss auf eine gelingende sprachentwicklung hat wir wissen dass mehrsprachigkeit eine angeborene fähigkeit des menschen ist unabhängig davon ob eine hörschädigung vorliegt um den bildungsprozess der jugendlichen effizient und nachhaltig unterstützen zu können verfügen alle beteiligten fachpersonen über ein hohes wissen über sprachvermittlung und – entwicklung und es findet eine stetige auseinandersetzung mit aktuellen diskussionen und erkenntnissen aus forschung und praxis statt zentrale forschungsergebnisse sind handlungsleitend das risiko einer eingeschränkten kognitiven entwicklung aufgrund einer sprachentwicklungsverzögerung muss so weit wie möglich minimiert werden die individuelle förderplanung hat höchste priorität damit ein zweisprachiger lerner in beiden sprachen gute kompetenzen erlangt und sich die zweisprachigkeit positiv auf seine kognitiv-akademische kompetenz7 auswirkt das unterrichten und kommunizieren unter einbezug zweier sprachen bedeutet die kommunikationshürde zwischen den hörenden und gehörlosen menschen in der täglichen arbeit stets zu überwinden der bimodale bilingualismus kommt dem lausprachlichen bilingualismus sehr nahe deshalb erlauben wir uns von einem bilingualen konzept und nicht von einem bimodal-bilingualen konzept zu sprechen 1.3 bedeutung gebärdensprache die gebärdensprache ist international als vollständige den lautsprachen gleichwertige sprache mit einer eigenen linguistischen struktur anerkannt gebärdensprache und gesprochene sprache werden in den gleichen hirnarealen verarbeitet die gebärdensprache kann eine altersgerechte sprachentwicklung fördern erweitert den wortschatz ermöglicht den erwerb einer grammatik ausserhalb der lautsprache und kann als brücke zum laut und schriftspracherwerb dienen8 sie beeinflusst nach aktuellen einschätzungen und resultaten der hirnforschung den lautspracherwerb nicht negativ.9 in vielen situationen vereinfacht die gebärdensprache die kommunikation und die soziale beziehung zwischen eltern bzw lehrperson und kind betrachtet unter dem fokus gelingender kommunikation gibt sie visuell orientierten menschen selbstvertrauen selbstbewusstsein eine starke identität und bietet die grundlage für eine gesunde sozial-emotionale entwicklung 6 in anlehnung an claudia becker fachreferat an der hfh 06.03.2015 7 schwellenniveauhypothese cummins 2000 cummins geht davon aus dass es schwellen gibt die ein zweisprachiges kind überschreiten muss die erste schwelle muss in beiden sprachen überschritten sein damit sich keine negativen auswirkungen auf die kognitive entwicklung ergeben wird diese schwelle nicht überschritten entsteht semilingualismus in beiden sprachen liegen keine ausreichenden kompetenzen vor liegen die sprachkompetenzen über der ersten schwelle ergibt sich eine dominante zweisprachigkeit bei einer der beiden sprachen liegt eine altersgemässe kompetenz vor positive effekte auf die kognitive entwicklung ergeben sich erst nach Überschreiten der zweiten schwelle in diesem fall handelt es sich um eine additive zweisprachigkeit in beiden sprachen liegt eine altersgemässe kompetenz vor 8 emmeroy 2002 günther et al 2004 9 preissler et al 2002 bilinguales konzept sek3 2017 6