Bücher Herbst 2009 von Hentrich & Hentrich Verlag Berlin

Weitere Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Kataloge | Bücher Herbst 2009 | 16 Seiten | 2017-06-28

Werbung

Seite 15 von Bücher Herbst 2009

bÜcher zur zeitgeschichte schwarzmondnacht t ts ndig rei be geküint im an sche rtal er qua 4 09 20 schwarzmondnacht authentische tagebÜcher berichten 1933–1953 • nazidiktatur • sowjetische besatzerwillkür • kampf ums Überleben karl hofer gab seinem 1944 in potsdam entstandenen tafelbild den titel „schwarzmondnacht“ herausgegeben und kommentiert von roland thimme karl hofer potsdam 1944 authentische 1933 1953 tagebücher • nazidiktatur • sowjetische besatzerwillkür • kampf ums Überleben herausgegeben und kommentiert von roland thimme ca 200 s ca 10 abb festeinband ca g 26,80 isbn 978-3-938485-96-5 die vier tagebücher die hier vorgestellt werden ermöglichen es den gang der ereignisse vor und während des einmarsches der sowjetischen armee im raum potsdam mit den augen der betroffenen zu betrachten betroffen waren vornehmlich frauen kinder und alte menschen in der zeit des nationalsozialismus und des ihm folgenden besatzerregimes hatte das tagebuchschreiben auch eine politisch-moralische entlastungsfunktion während die männer vor allem seit kriegsbeginn ihr erleben und denken in briefen und tagebüchern festhielten haben erst zum kriegsende frauen häufiger versucht die für sie gefährlichen zustände niederzuschreiben frauen in der sowjetischen besatzungszone waren 1945/46 in einer situation die stets bedrohlich erschien „wegen der allerorts lauernden gefahr der vergewaltigungen“ manche wertungen über das verhalten und die kultur der sowjetischen eroberer sind nur aus der damaligen situation zu verstehen aus dem tagebuch von marianne vogt sonntag 22 april 1945 22 uhr wir liegen alle vollständig angezogen auf unseren pritschen im keller die haustüren stehen auf anweisung der russen offen wieder tönen schritte in der diele über uns ein russe kommt zu uns in den keller wir gehen zu dritt nach oben und durchs haus er schickt harke und herrn günter wieder in den keller und ich habe ihn auf dem hals er ist schüchtern und freundlich ich schätze knapp 20 jahre alt als er mich umarmen will mit der pistole in der hand löst sich versehentlich ein schuß der meinen mantel auf dem rücken versengt die kugel zertrümmert ein dielenfenster ich gerate in wut und zu meinem erstaunen werde ich ihn ohne weiterungen los sie kommen in den keller und leuchten uns mit einer taschenlampe in die gesichter „komm komm frau!“ es sind vier mann alles geht schnell und unpersönlich aber ich habe genug von dieser liebe ute-christiane hauenschild bereits angekündigt rideamus die lebensgeschichte des fritz oliven ca 240 s ca 50 abb festeinband ca g 24,80 isbn 978-3-938485-92-7 wer kennt den verfasser von „der vetter aus dingsda“ rideamus rideamus lateinisch für „lasst uns lachen“ war das pseudonym des juristen dr fritz oliven 1874–1956 einst einer der erfolgreichsten deutschen humoristen des ersten drittels des 20 jahrhunderts kabarettist librettist und aufsichtratsmitglied der ersten gema ist er heute fast unbekannt seine in reimen verfassten lustigen bücher marlene dietrich wie „willis werdegang“ oder „die erfindung der sitt machte seine liedtexte lichkeit“ erzielten hohe auflagen und wurden von populä bekannt ren künstlern illustriert „mit dir möcht’ ich am zusammen mit oscar straus schuf er die burlesken ope sonntag angeln geh’n“ retten „die lustigen nibelungen“ und „hugdietrichs braut kollo „berlin bleibt fahrt“ der satirische unterton und anarchische humor dieser doch berlin“ und ein werke ist weit entfernt von der süßlichkeit späterer straus auszug aus dem lied werke oliven entwickelte sich weiter in richtung des moder „so lang noch unter’n nen revuetheaters im berlin der zwanziger jahre seine lie linden die alten der zu melodien von walter kollo und eduard künneke bäume blüh’n“ hallerwaren schlager – oder wie man damals sagte – revue 1923 „gassenhauer“ im privaten leben war oliven ein zurückhaltender bonvivant und gutmütiger familienmensch an der seite einer starken ehefrau der bankierstochter leonie meyer unter den nazis durfte oliven als jude nicht mehr veröffentlichen fritz oliven emigrierte mit seiner familie 1939 nach brasilien das vorliegende buch möchte einerseits einen beinahe vergessenen publikumsliebling in erinnerung rufen zum anderen zeigt es exemplarisch den zerrissenen lebenslauf eines mannes aus dem emanzipierten deutsch-jüdischen bürgertum des frühen 20 jahrhunderts 15